Was nach 2 Tagen „Toblacher Gespräche“ bleibt

„Vom Handeln zum Wissen“, das war der thematische Rahmen der diesjährigen „Toblacher Gespräche“. Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen setzten sich 2 Tage lang mit der Frage auseinander, wie Bildungsarbeit zu organisieren und zu gestalten ist, damit sie nachhaltig wirksam ist. Das laute Nachdenken über das „Lernen im solaren Zeitalter“ von unterschiedlichen Disziplinen her, das ehrliche Ringen um Orientierungslinien für die Gestaltung der gegenwärtigen und zukünftigen Bildungsarbeit war für mich ein gelungenes Musterbeispiel dafür, wie unsere Gesellschaft ihre Stätten des Lernens verantwortungsbewusst mitdenken könnte.

Vom Handeln zum Wissen – ich habe dabei Kinder vor Augen, die an einem Wasserlauf spielen, Dämme bauen, Rinnsale ziehen, Überschwemmungen herbeiführen und das mit einer Hingabe und Konzentration, die die Zeit rundherum vergessen lässt. Es ist nicht übersehbar, dass die Kinder dabei Erfahrungen machen, die zu Erkenntnissen führen, die weitere – noch komplexere – Handlungen generieren. Aus Spiel wird Ernst und dieses ernsthafte Sich-Auseinandersetzen mit einer Sache gleitet irgendwann wieder über ins Spiel. Ein Kreislauf. Dieses faszinierende Grundmuster, das Andreas Weber in die Gespräche einbrachte, hat Potential, auch im Jugend- und Erwachsenenalter, weil es erlaubt, in diese unsere Welt hineinzuspüren, rational aber auch intuitiv, Fragen und Herausforderungen wahrzunehmen, daraus Aufgaben für sich und die Gemeinschaft abzuleiten, tätig zu werden, zu Wissen zu kommen, um daraus die nächsten Handlungsschritte zu entwickeln. Die intrinsische Motivation, die als innerer Motor dieses Tätigwerden antreibt, garantiert, dass solche Prozesse Selbstläufer werden.

Die „gerasterte“ Bildungsarbeit, orientiert an reinen Wissensvermittlungsplänen, wurde in den „Toblacher Gesprächen“ die Zukunftsfähigkeit abgesprochen. Da tat es gut, zu wissen, dass Kindergärten und Schulen sich heute längst auf anderen Wegen befinden. Die Herausforderung, kompetenzorientiert zu arbeiten, ist mittlerweile überall angekommen – und es lohnt sich auch, dran zu bleiben. Wichtig scheint mir, dass wir vermehrt gute Aufgaben, die aus der herausfordernden Lebensumwelt der Kinder und Jugendlichen kommen, in die schulische Arbeit aufnehmen. Lernen muss Sinn machen und ein Stück weit auch innerlich berühren. Die Toblacher Gespräche haben mir noch einmal verdeutlicht, dass hinter den Kompetenzen, die unsere schulischen Rahmenrichtlinien vorgeben, ein neues (im Grunde kein neues, sondern ein wiederentdecktes) Gespür für unseren sensiblen Planeten Erde und die neuen sozialen und wirtschaftlichen Gefüge wachsen muss und dass daran die Fäden festzumachen sind, die unser gegenwärtiges und zukünftiges Handeln und Tun bestimmen.

In den „Toblacher Gesprächen“ haben vielfältige Denkansätze Raum bekommen. Niemand hat den Versuch unternommen, all das zusammen zu schleifen auf einen gemeinsamen Nenner. Und dennoch war für mich deutlich spürbar, dass hinter den verschiedenen hergezeigten Konstruktionen etwas da war, das die Menschen, die an den „Toblacher Gesprächen“ teilgenommen haben, miteinander verbunden hat. Um es mit Claus Otto Scharmer zu sagen: Ich hatte das Gefühl, da will etwas Neues entstehen.

Josef Watschinger

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